Follow up & Review

Eine relevante Neuerung der Agenda 2030 im Vergleich zu den MDGs ist deren systematischer Überprüfungsmechanismus. Die Staatengemeinschaft hat sich dazu verpflichtet, einen „robusten, freiwilligen, effektiven, partizipativen, transparenten und integrierten“ Review-Mechanismus zu etablieren (Agenda 2030, § 72), welcher die Umsetzung der Agenda 2030 auf nationaler, regionaler und globaler Ebene vorsieht. Das High-Level Political Forum on Sustainable Development (HLPF) übernimmt dabei eine zentrale Rolle und dient dem globalen Erfahrungsaustausch.              

Wesentlich ist hierbei, dass die Berichterstattung in der Verantwortung der Mitgliedsstaaten liegt.

HLPF

Das HLPF wurde bereits im Rahmen des Abschlussdokumentes der Rio+20-Konferenz, „The Future We Want“, per VN-Resolution eingerichtet. Das Forum findet jährlich im Juli unter dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (Economic and Social Council, ECOSOC) in den VN in New York statt und widmet sich während eines fünftägigen thematischen Segmentes der Überprüfung ausgewählter SDGs sowie während eines anschließenden dreitägigen High-Level Segment der freiwilligen Berichterstattung durch die Mitgliedsstaaten. Neben diesem Hauptprogramm bietet eine Vielzahl sogenannter Side Events Raum zur Diskussion.

Jedes HLPF steht unter einem anderen Thema, welches sich durch die zu überprüfenden SDGs ableitet:

2021: Sustainable and resilient recovery from the COVID-19 pandemic that promotes the economic, social and environmental dimensions of sustainable development: building an inclusive and effective path for the achievement of the 2030 Agenda in the context of the decade of action and delivery for sustainable development

Ziele: 1, 2, 3, 8, 10, 12, 13, 16 und 17

2020: Accelerated action and transformative pathways: realizing the decade of action and delivery for sustainable development

2019: Empowering people and ensuring inclusiveness and equality

Ziele: 4, 8, 10, 13, 16 und 17

2018: Transformation towards sustainable and resilient societies

Ziele: 6, 7, 11, 12, 15 und 17

2017: Eradicating poverty and promoting prosperity in a changing world

Ziele: 1, 2, 4, 5, 9, 14 und 17

Während Ziel 17 jährlich im Fokus des HLPF steht, werden alle anderen SDGs jeweils einmalig während eines Zyklus von vier Jahren überprüft.

Zum Ende eines jeden Zyklus findet das HLPF zusätzlich im September unter der Generalversammlung der Vereinten Nationen (General Assembly, UNGA) auf Ebene der Regierungschefs statt. Die Resolution zum Follow-up und Review sowie der Bericht des Generalsekretärs geben Auskunft über weitere Modalitäten.

Mehrebenenansatz der Überprüfung

Auf nationaler Ebene werden Staaten ermutigt, den Fortschritt bezüglich der Erreichung der Agenda 2030 durch regelmäßige und inklusive Prozesse zu überprüfen. Diese können gemäß nationaler Umstände und Prioritäten individuell gestaltet werden und soll zunächst unabhängig vom HLPF sein.

Auf (sub-)regionaler Ebene werden durch die Wirtschaftskommissionen der VN jährlich im Frühjahr sogenannte Regional Fora organisiert, welche Raum bieten, nationale Erfahrungen auszutauschen und von guten Beispielen zu lernen. Die Fortschritte der Region mit Blick auf nachhaltige Entwicklung werden ebenfalls eingeschätzt. Die inhaltliche und formelle Ausgestaltung obliegt der jeweiligen Regionalkommission, die Ergebnisse werden im Rahmen des HLPF vorgestellt.

Auf globaler Ebene bildet das HLPF das zentrale Forum für Review (die Vorstellung nationaler Fortschritte und Ansätze) und Follow-up (die Diskussion dessen sowie Empfehlung weiterer Vorgehensweise durch die Staatengemeinschaft). Zu diesem Zweck reichen Staaten freiwillige Staatenbericht (Voluntary National Reviews, VNR) ein, welche gemäß der freiwilligen Empfehlungen des VN-Generalsekretärs u.a. darlegen können, wie die Agenda 2030 in das nationale politisch-strategische Rahmenwerk übersetzt wird, wie die Fortschritte der Umsetzung ermittelt werden, wie die Ergebnisse dessen interpretiert werden und welche Empfehlungen sich daraus ergeben. Diese prozessorientierte Darstellung soll idealerweise durch statistische Berichterstattung untermauert werden.

Seit 2016 reichten 168 Staaten VNRs ein (Stand Mai 2021), wobei einige Staaten zum wiederholten Mal berichteten: 

2016: 22           2017: 43           2018: 46           2019: 47             2020: 47            

Zum jetzigen Zeitpunkt sind 44 VNRS für 2021 angemeldet.

Berichte

Bedingt durch den Aspekt der Freiwilligkeit fallen die eingereichten Berichte inhaltlich und formell sehr unterschiedlich aus. Der überwiegende Großteil der Staaten integriert die Agenda 2030 in bereits bestehende Strategien für (nachhaltige) Entwicklung oder richtet die Entwicklung neuer Strategien oder Pläne an den SDGs aus. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die zunehmende Beteiligung diverser staatlicher als auch nicht-staatlicher Akteure an der Umsetzung und Überprüfung der Agenda 2030. Ebenfalls wird die Verfügbarkeit qualitativer Daten als zentrale Herausforderung deutlich.

Aufschluss bieten diverse Analysen:

 

 

Daneben gibt es weitere Berichtsformate, die je nach Kontext relevante Informationen enthalten:

Annual SDG Report: Herausgegeben vom VN-Generalsekretär und erstellt durch die VN Statistikkommission sind sie auf globale SDG Indikatoren gestützt. Der Report 2020 ist hier.

Global Sustainable Development Report (GSDR): Der GSDR wird auf globaler Ebene von unabhängigen wissenschaftlichen Vertretern aus den Mitgliedstaaten erstellt und erscheint alle vier Jahre. Der Bericht aus 2019 ist hier.

Regionale Berichte: Die Regionalkommissionen der VN erstellen voneinander unabhängig Fortschrittsberichte zur Erreichung der Agenda 2030. Hier liegen die Berichte der Wirtschaftskommission für Afrika (ECA), Wirtschaftskommission für Europa (ECE), Wirtschaftskommission für Lateinamerika und Karibik (ECLAC), Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik und Wirtschafts- und Sozialkommission für Westasien (ESCWA).

Weitere Informationen zum Reporting-Prozess finden sich hier.

Factsheet Follow-up and Review

Indikatoren

Die Inter-agency and Expert Group (IAEG) on SDG Indicators hat seit 2016 ein Set aus aktuell 231 (Stand Januar 2021) globalen Indikatoren entwickelt. Jährlich können durch die IAEG Vorschläge zur methodischen Anpassung der Indikatoren eingereicht werden. Nach einer Überarbeitung 2020 ist für 2025 ein zweiter Review-Prozess vorgesehen, der es ermöglichen wird, einzelne Indikatoren hinzuzufügen, zu löschen oder anzupassen.

Die Indikatoren sind in drei Ebenen eingeteilt:

Tier 1: Indikator ist konzeptionell klar, Methodologie etabliert, Standards verfügbar, Daten werden regelmäßig von Ländern erhoben. (2021: 130 von 231)

Tier 2: Indikator ist konzeptionell klar, Methodologie etabliert, Standards verfügbar, aber Daten werden nicht regelmäßig von Ländern erhoben. (2021: 97 von 231)

Tier 3: Indikator ist konzeptionell klar, Methodologie etabliert oder Standards verfügbar, aber Methodologie/ Standards (aktuell/ zukünftig) in Entwicklung/ Testphase. (2021: 0 von 231)

Bei insgesamt 4 Indikatoren sind einzelne Komponenten verschiedenen Tiers zugeteilt.

Diese Zahlen verdeutlichen die bestehende massive Datenlücke für die globalen Indikatoren der Agenda 2030. Die IAEG hat in den nächsten Jahren die Aufgabe, die Methodik für diese kritischen Indikatorengruppen zu entwickeln.

Factsheet Globaler Indikatorrahmen

Daten und Indizes

Die Erhebung und Auswertung und Nutzung von (disaggregierten) Daten ist eine der größten Herausforderungen für die Messung und Erreichung der SDGs.

Einige globale Initiativen helfen dabei Orientierung zu finden und Open Data zu nutzen.

Open SDG Data Hub

Die aktuellste und umfassendste Auskunft über den Stand der Erreichung der offiziellen SDG-Indikatoren bietet der Open SDG Data Hub der Statistikkommission (UN STATS) und der Abteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (UN DESA) der Vereinten Nationen.

SDG Atlas

Der SDG Atlas der Weltbank präsentiert Karten, Diagramme und Data Stories zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung und deren Unterzielen. Es werden Trends, Vergleiche und Messprobleme anhand von zugänglichen und teilbaren Datenvisualisierungen diskutiert.

Die Daten basieren auf den Weltentwicklungsindikatoren der Weltbank, die international vergleichbare Statistiken über die globale Entwicklung und die Lebensqualität der Menschen zusammenstellen. Für jedes der SDGs wurden relevante Indikatoren ausgewählt, um wichtige Ideen zu veranschaulichen, die als Proxy-Indikatoren herangezogen werden können und somit die Aussage der globalen Indikatoren in einen verständlichen Kontext setzen.

SDG Tracker

Das SDG-Tacker-Projekt der Oxford University versammelt ebenfalls Proxyindikatoren und bietet ein Visualisierungstool an.

SDG Index & Dashboards

Die Bertelsmann Stiftung und das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) haben mit dem SDG Index und Dashboards eine Bestandsaufnahme der „SDG-Fitness“ aller 193 VN-Mitgliedsstaaten vorgelegt.

Der SDG Index verdichtet die Erreichung der 17 Ziele zu einer einzigen Größe, welche in Form eines Rankings Auskunft darüber gibt, wie weit welches Land von der Erreichung der SDGs entfernt ist.

Die SDG Dashboards visualisieren im Sinne einer Ampel die nationale Performanz für jedes der 17 Ziele. Die Farbkennungen „grün“, „gelb“ und „rot“ sind gleichzusetzen mit dem Potential, dieses SDG zu erreichen. Die Zielwerte werden vom Minimalprinzip, welches das aggregierte Ergebnis vom schlechtesten Wert der jeweiligen Targets ableitet, ermittelt.

SDG 16 Data Initiative

Die SDG 16 Data Initiative ist ein Kooperationsprojekt verschiedener Organisationen unter Beteiligung von unter anderen Transparency International, Open Society Foundation und Governance Data Alliance, welches insbesondere auf das von Datenmangel verhältnismäßig stark betroffene SDG 16 abzielt: Die überwiegende Anzahl von Unterzielen des SDG 16 war bis vor Kurzem dem Tier III zugeordnet; auch nach schrittweiser Zuordnung zu Tier II durch Definition geeigneter Messmethoden bleibt die globale Datenverfügbarkeit schwach.  Unter dem Dach der Initiative werden global anerkannte Proxyindikatoren mit hinreichend flächendeckend verfügbaren Daten gesammelt, welche für eine adäquate Messung herangezogen werden können. Zudem wurden Hilfsindikatoren zur Messung von Targets vorgeschlagen, für die Daten in einzelnen Ländern verfügbar sind.

Weitere Indizes

Fortschritte bei der Erreichung von einzelnen SDG-Indikatoren werden von sogenannten Custodian Agencies überwacht. Für SDG 5 sowie die darüber hinausgehenden genderrelevanten Zielsetzungen der SDGs beispielsweise stellen unter anderem UN Women, OECD DAC und die Weltbank die Daten zur Verfügung. Das SDG 4 wird vom UNESCO Institut für Statistik globaler Bildung überprüft.

Welche Custodian Agencies sich für welche Indikatoren verantwortlich zeichnen, ist in der Klassifizierung nach Tiers durch die IAEG-SDGs ersichtlich.

Das Overseas Development Institute (ODI) (ODI „Leave no one Behind“ Index) misst wie gut Länder aufgestellt sind, um LNOB zu erreichen in den drei Bereichen Daten, Politik/Strategien, Finanzierung.

Weitere Indizes, die sich auf SDGs konzentrieren:

Data4SDGs

SDG Country Data

Measuring Distance to the SDGs

SDG Data Bank

KnowSDGs platform (EU Kommission)

NCD-SDG Tool (DIE)

Interessant für Projektdesign

Der Blick in die freiwilligen Staatenberichte (Voluntary National Reviews) gibt einen Überblick, wie sich das Land mit der Agenda 2030 auseinandersetzt, wo die Prioritäten liegen, ob es eine nationale Strategie gibt/geben wird und wer die wichtigen Akteure im Land sind.

Die thematischen Berichte zur Vorbereitung der HLPF geben einen guten Einblick in Trends in den jeweiligen Themenfeldern (Expert Group Meeting Note HLPF 2021). 

Darüber hinaus geben die Länderfaktenblätter eine kurze Einschätzung über Anstrengungen, die Länder zur Erreichung der SDGs unternommen haben.

Auch ein Blick auf die globalen Indikatoren der SDG-Unterziele ist als Orientierung wichtig. Bei der Konzeption neuer Vorhaben sollte (wenn möglich) eine Anschlussfähigkeit zwischen dem Projekt/Programm und den Indikatoren der Agenda 2030 sichergestellt werden. Da sich die globalen Indikatoren auf einer hoch aggregierten Impact-Ebene befinden, lohnt sich hier auch ein Blick auf die abgeleiteten nationalen Indikatoren des jeweiligen Landes (soweit vorhanden).

Das Globalvorhaben "Partners for Review" beschäftigt sich intensiv mit der globalen Berichterstattung der Länder zum HLPF und gibt Auskunft bei Fragen.

Der UPR-SDG Data Explorer ermöglicht Empfehlungen aus dem Universellen Überprüfungsmechanismus (Universal Periodic Review) des VN-Menschenrechtsrates, mit den Zielen und Indikatoren der Agenda 2030 zu verbinden. Damit lassen sich Informationen aus dem VN-Menschenrechtssystem einfacher für die Projektkonzeptionierung nutzen. Der Explorer bietet die Möglichkeit nach Ländern, Regionen, SDG Zielen, aber auch Zielgruppen aufzuschlüsseln. 

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