Planung

Agenda 2030-konform, -sensibel, oder einfach transformatorisch soll es sein. Wie aber kann das Prüfteam ein solches Vorhaben konzipieren?

Die GIZ hat langjährige Erfahrungen mit der Planung und Durchführung von nachhaltig wirkenden Vorhaben auch in schwierigen, fragilen Kontexten. In vielen Fachbereichen gibt es Erfahrungen mit integrierten Ansätzen. GIZ Vorhaben beinhalten zum großen Teil Veränderungsprozesse. Die Partnerorientierung ist Herausstellungsmerkmal unserer Konzeption…Fachplaner/innen und Gutachter/innen können also bekannte und bewährte Ansätze und Methoden- konsequent -nutzen.

 

Systemisch denken und handeln!

Die Weltgemeinschaft hat durch die Formulierung der Entwicklungsziele einhellig bekannt, dass die Entwicklung einzelner Länder und die Lösung globaler uns aller betreffender Probleme nur gemeinschaftlich und systemisch angegangen werden kann. Positive, aber auch negative Entwicklungen bedingen einander und können sich positiv oder negativ beeinflussen. Die Interdependenz und Abhängigkeit der Ziele und der verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit (Prinzip der Integrierten Ansätze) gilt es daher in jeder Projektplanung und Programmbildung zu beachten.

Die nationale Umsetzung unterstützen!

Des Weiteren haben die Staaten festgelegt, dass die Ziele jeweils angepasst an den nationalen Kontext entlang einer nationalen Strategie umgesetzt werden soll (SDG 17). Daher muss sich auch jedes Vorhaben, welches die Entwicklung des Partnerlandes unterstützt, auf diese nationale Umsetzungsstrategie und soweit möglich auch auf seine Indikatoren beziehen.  Je nach Auftrag kann auch die Unterstützung der Politik zur Erarbeitung einer solchen Strategie (national oder sektoral) Teil der Projektplanung sein (siehe hier Maßnahmen des Initiativprogramms Agenda 2030 in Mexiko).

In Kooperation und Partnerschaftlich

Es ist evident, dass Transformation in der Lebens- und Wirtschaftsweise nur gemeinschaftlich erreicht werden kann. In der Prüfung müssen daher neue, sektorübergreifende, koordinierende, die Bevölkerung bzw. die jeweiligen (zivilgesellschaftlichen) Anliegen vertretende Partner gefunden und von Anfang an eingebunden werden. Diese Partner sind gefordert auch ihren Beitrag zu leisten (Prinzip der gemeinsamen Verantwortung).

Kontext- und Konfliktsensibel

Transformation setzt Veränderungsbereitschaft voraus. Dies ist jedoch nicht immer gegeben. Besonders in fragilen und von Gewalt betroffenen Kontexten wirken vorherrschende Machtstrukturen, Korruption und kriminelle Strukturen häufig diesen Transformationsbestrebungen entgegen. Möglichkeiten zum offenen, inklusiven Diskurs und gewaltfreien Konfliktlösung und –management sind schwach ausgebildet bzw. nicht gewollt. Ein kontext- und konfliktsensibles Vorgehen auch zur Lösung möglicher Zielkonflikte ist gefordert.

Es gilt zu unterscheiden, ob es sich um ein Vorhaben handelt, welches die nationale Umsetzung einzelner SDGs (sektorfachlich/sektorübergreifend) unterstützen soll, oder ob das Vorhaben die Umsetzung der Agenda 2030 im Land durch Politikberatung, Monitoring oder Finanzierungsberatung generell unterstützt. Eine Kombination ist möglich. Gute Beispiele dazu liefert das Inititativprogramm des BMZ (Factsheet).

Dabei ist zu beachten, dass die globalen SDGs (wie im Originaldokument der Agenda 2030 beschrieben) für die meisten EZ-Module auf der Impact-Ebene liegen. Für diese ist der Referenzrahmen die nationale Umsetzungsstrategie und deren Indikatoren. EZ-Programme können möglicherweise schon direkt auf die globalen SDGs einwirken und somit einen wichtigen Beitrag zur globalen Transformation leisten.

Dass alles mit allem zusammenhängt und gemeinsam am Besten wirksam umgesetzt werden kann, bedeutet nicht, dass es nicht auch in Zukunft wirksame Projekte geben wird, die sich explizit nur auf einen Sektor und staatliche Partner fokussieren. Jedoch sollte dies eine bewusste Entscheidung sein, und nicht nur aufgrund der Fachkenntnis des Prüfteams nur in einem Bereich (Stichwort „Silodenken“). Dieser bewussten Entscheidung muss daher eine Reflexion vorausgehen, auf welche Ziele, Sektoren, Dimensionen das Vorhaben (Modulziel, Programmziel) positiven wie auch negativen Einfluss hat und durch welche Einflüsse das Ziel positiv oder negativ beeinflusst wird.

Damit dies gelingt, sollte auch das an der Konzeption beteiligte Team fachübergreifend planen können bzw. wenn möglich fachübergreifend zusammengesetzt sein (Absprache mit dem Portal für interne Kunden). 

Zentrale Fragen zur Vorbereitung der Prüfung

Ende 2019 haben sich Fachplaner/innen und Vorhabensmitarbeiter/innen in sogenannten Praxiswerkstätten über ihre Erfahrungen mit Agenda 2030 im Prüfprozess ausgetauscht. Wertvolle Anregungen und Antworten zu vielen Fragen finden sich in der Dokumentation.

Im Vorbereitungs- und Prüfprozess stellen wir auch fest, dass diverse Fragen zu Safeguards+Gender ebenfalls Schnittstellen zu Agenda 2030 Prinzipien aufweisen. Wie diese zusammenzubringen sein könnten, bietet diese Präsentation an.

Anregungen zur Reflexion während der Prüfung finden sich in den Handreichungen und Arbeitshilfen zur Kurzstellungnahme und Modulvorschlag (aktuellste Version immer in P+R zu finden) Diese sind hier noch einmal zum Abspeichern aufgelistet.

  • Welche Personen, Gruppen und Organisationen sind auf Mikro-, Meso- und Makroebene im Staat, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft relevant? Welche Bedarfe haben sie?
  • Über welche Kapazitäten (Macht, Finanzen, Personal, Wissen, Leistungsfähigkeit) verfügen sie?
  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren?
  • Inwiefern kann eine sektorübergreifende Bearbeitung relevanter Themen einen Mehrwert liefern?
  • Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders benachteiligt beim Zugang zu staatlichen Dienstleistungen im jeweiligen Sektor?
  • Welche Potentiale bestehen durch die Zusammenarbeit von Staat, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft?
  • Welches Potential besteht dabei für wechselseitiges Lernen und gemeinsames Handeln mit anderen Ländern, insbesondere Deutschland und Europa?
  • Welche (Koordinations-)Strukturen und Prozesse gibt es für das Monitoring gemäß der Agenda 2030?
  • Welche Rahmenbedingungen bzw. Leitplanken existieren für das Vorhaben? Welche politischen Prioritäten sind handlungsleitend für das Partnerland/die Partnerregion? Gibt es eine Priorisierung der Ziele der Agenda 2030 im Länderkontext?
  • Was unternimmt das Modul, um entwicklungspolitische Ziele und Wirkungen nachhaltig zu erreichen?
  • Kann das Vorhaben einen Beitrag leisten, das Potential des Partnerlandes bei der globalen Zielerreichung zu erhöhen/befördern? Gibt es dafür nationale Agenda 2030 Indikatoren (nicht globale) und können diese verwendet werden?
  • Wer sind die wichtigen Akteure auf Makro-, Meso- und Mikroebene?
  • Welche interministeriellen Absprachemechanismen gibt es ggf., die für eine übersektorale Umsetzung des Vorhabens genutzt werden könnten?
  • Auf welche Dimensionen der Nachhaltigkeit (wirtschaftliche, ökologische, soziale) wirkt das Vorhaben direkt/indirekt ein? Wie wird sichergestellt, dass negative Wechselwirkungen/Trade-offs vermieden und Synergien genutzt werden?
  • Wo wir schon übersektoral gearbeitet oder wo bietet sich ein solcher Ansatz an, um Wirkungen zu verstärken/negative Wirkungen zu vermeiden?
  • Was muss das Vorhaben tun, um die potenziellen Risiken und nicht intendierten Wirkungen im Sinne von Trade-Offs möglichst gering zu halten? (3 Nachhaltigkeits-Dimensionen)
  • Welche positiven Nebenwirkungen (in den 3 Dimensionen von Nachhaltigkeit: sozial, wirtschaftlich, ökologisch) gehen von dem Vorhaben aus - außerhalb des Gestaltungsbereichs?
  • Zu welchen der 17 globalen SDG trägt das Vorhaben direkt oder indirekt bei?
  • Was muss das Vorhaben tun, damit die intendierte Wirkung/ Leistung mittel-bis längerfristig von den Partnern eigenständig erbracht werden können?
  • Welche vorhandenen Stärken im Sektor (Ressourcenorientierung) kann das Vorhaben nutzen, um seine nachhaltige Wirkung sicherzustellen?
  • Welche Risiken gehen mit dem Vorhaben einher: politisch, mit Blick auf die Durchführung, hinsichtlich der langfristigen Verankerung, Datenschutz/Profiling sowie Korruption?
  • Wie können besonders benachteiligte Gruppen mit den Wirkungen des Vorhabens erreicht werden?
  • Welche Multi-Akteurs-Partnerschaften zwischen Akteuren aus Staat, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft sind denkbar und hilfreich für die Zielerreichung?
  • Welche Kooperationsformen bestehen bereits?
  • Wie werden die Umsetzung und die Rechenschaftspflicht des Landes zur Agenda 2030 aufgesetzt und wo sind Unterstützungsbedarfe?
  • Welche Koordinierungsstrukturen gibt es auf nationaler Ebenen für Umsetzung und Monitoring der Agenda 2030 und wie müssen diese vom Vorhaben eingebunden worden?
  • Inwiefern kann gezieltes CD für die Stärkung der Rechenschaftslegung systematisch im Modul verankert werden (z.B. Stärkung M&E Partnersysteme und/oder von Akteuren, um Rechenschaft einzufordern)?

 

Inhalte mit Agenda 2030 Bezug aus BKMZ Handreichungen zur GVR

Nutzen sie die Möglichkeit dem Auftraggeber (insbesondere BMZ) Optionen anzubieten, in denen bestimmte Aspekte (Prinzipien) der Agenda 2030 mal mehr mal weniger stark in den Mittelpunkt gerückt werden. So können z.B. verschiedene Partner, verschiedene Zielgruppenfoki angeboten werden.

Auch die internen Erläuterungen der Qualititätsprüfung weisen noch einmal auf diese Überlegungen hin.

Bereits heute sind die Evaluierungsfragen (Excel-Tabelle) der neuen zentralen Projektevaluierungen an die Agenda 2030 angepasst.

Ein Blick auf die Fragen, die Vorhaben zum Zeitpunkt der Evaluierung beantworten können sollen, hilft bei der Konzipierung.

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