Integrierte GIZ Ansätze und übergreifende Themen

Die Weltbank (2016) stellt fest, dass das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der letzten 10 Jahre nicht ausreichen würde, um die extreme Armut bis 2030 zu beseitigen und formuliert: „Reductions in inequality will be key to reaching the poverty goal by 2030 […] especially among countries in which there are high numbers of poor, relatively wide inequality, and weak economic growth.“

Integrierter Ansatz der Beschäftigungsförderung

Integrierter Ansatz der Beschäftigungsförderung: SDG 8 ‚Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum‘ strebt „dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle“ an. Die Unterziele des SDG 8 beinhalten unter anderem die Steigerung des Pro-Kopf-Wirtschaftswachstums und der Produktivität, die Förderung von Unternehmertum, die Schaffung von menschenwürdigen Arbeitsplätzen, die Verbesserung der Ressourceneffizienz in Konsum und Produktion sowie die Arbeitsmarktinklusion von Frauen, junger Menschen und Menschen mit Behinderungen. Außerdem wird in den Unterzielen auf nachhaltigen Tourismus und auf den Zugang zu Finanzdienstleistungen eingegangen. Der integrierte Ansatz der Beschäftigungsförderung der deutschen EZ verbindet verschiedene Politikfelder und trägt so bei zur Erreichung des SDG 8: Auf der Arbeitsnachfrageseite entstehen durch die Erhöhung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Privatsektors nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse. Auf der Arbeitsangebotsseite wird die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen durch Aus- und Weiterbildung gestärkt – ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die nachfrageorientierte, auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber ausgerichtete Berufsbildung. Die dritte Säule ist die Verbesserung des Zusammenfindens von Arbeitsangebot und -nachfrage auf dem Arbeitsmarkt („Matching“) durch eine Verbesserung von Vermittlungsdienstleistungen, Informationssystemen und der beruflichen Orientierung. Das Dach des Ansatzes bildet eine Ausrichtung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen auf die Beschäftigungsförderung.

Green Economy and Green Jobs

Green Economy and Green Jobs: Green Economy (auch Inklusives Grünes Wachstum – Inclusive Green Growth) dient als integrierter Ansatz der GZ der Unterstützung der Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen, ressourcen-schonenden und sozial inklusiven Wirtschaft. Green Economy berücksichtigt dabei die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Der Ansatz beinhaltet ein breites Maßnahmenpaket aus Wirtschafts- und Sozialpolitik, Umwelt- und Klimapolitik, Privatwirtschaftsförderung, Finanzsystementwicklung und Versicherungen, berufliche Bildung und Arbeitsmarkt, Struktur- und Industriepolitik, Investitions- und Innovationsförderung, nachhaltige Industriestandorte und Energie- und Ressourceneffizienz. Expliziter Bestandteil von Ansätzen der Green Economy sind dabei Green Jobs und Qualifizierungsmaßnahmen für ressourcen-schonendes Wirtschaften (Green Skills), das heißt die entsprechende Ausbildung und Schaffung von Arbeitsplätzen in grünen Sektoren, beziehungsweise das Mainstreaming von Umwelt- und Ressourcenschonung in konventionellen Betrieben und Sektoren. Green Economy deckt nicht nur die ökologische und wirtschaftliche Dimension von nachhaltiger Entwicklung ab, sondern auch die soziale Dimension. Integrierte Ansätze in Partnerländern werden beispielsweise in der Partnership for Action on Green Economy (PAGE) erarbeitet und umgesetzt. Hilfreiche Information sind international auch auf der Green Growth Knowledge Platform und auf der Website der DCED Green Growth Working Group zu finden

Grüne und Inklusive Geschäftsmodelle

Inklusive Geschäftsmodelle für nachhaltige Entwicklung (Inclusive Business-Modelle) integrieren einkommensschwache Menschen im Rahmen des Kerngeschäfts: auf der Nachfrageseite als Kunden und/oder auf der Angebotsseite als Distributoren und Zulieferer. Grüne Geschäftsmodelle konzentrieren ihre Unternehmung explizit auf die Lösung ökologischer Herausforderungen, indem Umweltbelastungen verringert, die Widerstandsfähigkeit gegen Umweltbelastungen gestärkt oder eine effizientere und verantwortungsvollere Nutzung natürlicher Ressourcen bewirkt wird. Inklusive Geschäftsmodelle haben aus entwicklungspolitischer Sicht und damit auch für die SDGs besondere Relevanz, da sie auf Basis eines betriebswirtschaftlich rentablen und somit finanziell nachhaltigen Geschäftsmodells Zugang zu Produkten, Dienstleistungen sowie Einkommensmöglichkeiten für die Menschen am „unteren Ende der Einkommenspyramide“ (Base of the Pyramid, BoP) schaffen. Neben multinationalen Unternehmen entwickeln und betreiben vermehrt auch KMU in den Kooperationsländern der deutschen EZ diese Art von Geschäftsmodell. Durch ihren auf Marktmechanismen beruhenden Ansatz versprechen diese Unternehmen effektive, langfristig nachhaltige, von öffentlichen Mitteln weitestgehend unabhängige Lösungen für soziale und/oder ökologische Herausforderungen. Dies macht die Unternehmen zu beliebten Partnern für Kooperationsprojekte in fast allen Sektoren. In den letzten Jahren wurden Ansätze zur spezifischen Förderung von Unternehmen mit grünen und/oder inklusiven Geschäftsmodellen entwickelt. Neben Privatwirtschaftsförderung und der Schaffung von Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten leisten grüne und inklusive Geschäftsmodelle zusätzlich einen Beitrag zu Klima- und Ressourcenschutz sowie einem verbesserten Zugang zu Gesundheits- oder Bildungsleistungen. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass allein in vier Bereichen (Landwirtschaft/Lebensmittel, Städte, Energie/Materialien sowie Gesundheit) das Geschäftspotenzial, das hinter den SDGs steht, bei insgesamt 12 Billionen USD liegt.

Linking Social Protection with Productive Inclusion

Linking Social Protection with Productive Inclusion: Maßnahmen der sozialen Sicherung, wie z.B. Geldtransfers, haben sich in den vergangenen Jahren positiv auf die Armutsbekämpfung ausgewirkt. Es bleiben jedoch auch weiterhin Herausforderungen bestehen – so lebt noch immer einer von fünf Menschen in Entwicklungsländern in extremer Armut. Zur Erreichung des SDG 1, das bis 2030 extreme Armut für alle Menschen beenden will, braucht es deshalb innovative Ansätze in der sozialen Sicherung. Politische Entscheidungsträger erkennen zunehmend, dass sich Sozialprogramme von einem Fokus auf reine Grundsicherung (Sozialleistungen zur Sicherstellung des Lebensunterhaltes) hin zu einem integrierten System der sozialen Sicherung entwickeln müssen. D.h. ein Mindesteinkommen allein ist nicht ausreichend, sondern sollte auch mit dem Capacity Development der begünstigten Personengruppen einhergehen. Auf diese Weise können Maßnahmen erfolgreich mit Interventionen verknüpft werden, die den Zielgruppen Zugang zu produktiven Wirtschaftsaktivitäten ermöglichen (productive inclusion). Eine umfassende Soziale Sicherungsstrategie bietet den Ländern einen Rahmen für eine sektorübergreifende Koordinierung, die für ein integriertes System unerlässlich ist.

Digitalisierung

Informations- und Kommunikations-Technologien (IKT) werden zwar explizit in nur 4 SDGs (SDG 4, 5, 9, 17) genannt, die gesamte Agenda kann aber bis zum Jahre 2030 nur erreicht werden, wenn die Möglichkeiten der Digitalisierung für alle Menschen nutzbar gemacht werden. Die Digitalisierung bietet Chancen beispielsweise hinsichtlich Ressourceneffizienz, neue Jobs und Beschäftigungsmöglichkeiten (z. B. für Frauen oder Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind), nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den Partnerländern, mehr Transparenz, erhöhte Chancengleichheit, bessere Bildungsperspektiven, Wissens- und Kompetenztransfer und vieles mehr.

Diesen Chancen stehen jedoch auch Herausforderungen gegenüber, die es im kommenden Jahrzehnt anzugehen gilt:

  • Neue Produktionsmethoden und Arbeitsweisen: Wenn sich Produktionsmethoden verändern, werden neue Arbeitsplätze geschaffen, während andere gleichzeitig verloren gehen. Wer moderiert die Digitale Revolution? Wie kann der digitale Wandel von Wirtschaft und Arbeitsmarkt gestaltet werden, damit mehr und bessere Arbeitsplätze entstehen? Wie können Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen ausgerichtet werden, damit notwendige Kompetenzen erworben werden? Und wie werden menschenwürdige Arbeitsbedingungen und grundlegende Arbeits- und Sozialstandards im digitalen Dienstleistungsbereich sichergestellt?
  • Digitale Klüfte: Der IKT Markt wächst weltweit enorm, die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, zwischen Stadt und Land sowie zwischen den Generationen sind jedoch gewaltig. Über die Hälfte der globalen Bevölkerung hat bisher keinen Zugang zum Internet. Dadurch vergrößert sich die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit zwischen Ländern, aber auch innerhalb von Staaten. Wie kann die digitale Kluft durch Unterschiede beim Zugang zu digitalen Medien aufgehoben werden?
  • Datenschutz und Menschrechte: Wie können Rechte und Freiheiten auch im digitalen Raum gewährleistet werden? Wer bestimmt Online-Regeln für die Meinungsfreiheit und schließt Hassreden und Verhetzung aus?
  • Elektroschrott: Wie kann sichergestellt werden, dass Elektroschrott verantwortungsbewusst entsorgt wird? Wie können wirtschaftliche Anreize geschaffen werden, Elektroschrott bereits bei der Produktion zu verringern?

Digitale Möglichkeiten für alle wird es nur geben, wenn gleichzeitig in „analoge“ Grundlagen wie Infrastruktur, (berufliche) Bildung, Demokratie und Rechenschaftspflicht, starke Institutionen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen sowie kluge Regierungspolitik investiert wird.

Die Digitalstrategie „Digitalisierung für Entwicklung“ des BMZ (2019) zeigt auf, wie Herausforderungen angepackt und die Chancen des digitalen Wandels nutzbar gemacht werden können. Auch auf globale Ebene gibt es die Internationalen Prinzipien digitaler Entwicklungszusammenarbeit.